7. Dezember 2017

VEL im Gespräch mit Gitta Connemann

„Wie führen wir die Landwirtschaft zurück in die Gesellschaft?“

 ASCHENDORF. Für Gitta Connemann, CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Unterems und stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion CDU/CSU ist dies die entscheidende Frage, mit der sich die Agrarpolitik zukünftig auseinander setzen muss.

Frau Connemann war der Einladung des Emsländischen Landvolkes gefolgt, sich einer konstruktiven Diskussion über die Sondierungsthemen der Koalitionsgespräche zu stellen. Zunächst  betonte Connemann, dass sie über das Ende der Sondierungsgespräche mit den Grünen und der FDP sehr enttäuscht und fassungslos sei. Sie betonte ausdrücklich, dass die Gespräche mit der SPD nicht einfacher verlaufen würden.            
Zwei wichtige Themen, die das Emsland betreffen, sind laut Hermann Wester, Präsident des Emsländischen Landvolkes, die Flächenkompensation für den Bau der Europastraße E-233 sowie der geplanten Stromtrassen und die Planungssicherheiten der Tierhalter in Bezug auf die Entwicklungen im Bereich des Tierwohls.

„Insgesamt werden 750 ha Fläche für den Ausbau der E-233 benötigt, 350 ha davon müssen noch angeschafft werden“, so Wester weiter. Diese Fläche könne nicht alleine von den Landwirten erbracht werden. Schließlich bräuchten diese auch die Ackerflächen zum Bewirtschaften, gab Wester zu bedenken. Ebenfalls im Bereich der geplanten Stromtrasse fordert Wester die Politik daraufhin auf, hier bevorzugt öffentliche Flächen für den Ausbau zu nutzen. Bei Connemann stießen die Emsländer mit diesen Themen auf offene Ohren. Sie wolle diese Thematik mit Bundesagrarminister Schmidt besprechen und sich für eine Lösung einsetzen.

 Zum Thema Planungssicherheiten im Bereich Tierwohl wies Connemann darauf hin, dass die Regierung auch den Rahmen für Veränderungen schaffen müsse. Eben diese Meinung  vertrat auch Thomas Korte, Mitglied des Landvolk-Vorstandes: „Wie sollen Landwirte in moderne Ställe, die mehr Tierwohl für die Tiere bedeuten, investieren, wenn die Landwirte sich nicht sicher sein können, dass die Tierwohl Initiative auch in mehr als zwei Jahren noch Bestand hat“. Die Landwirte bräuchten langfristige Entwicklungschancen, die mindestens zehn Jahre gelten würden, so Korte weiter. Einher geht mit diesem Thema auch die Erleichterung der Baugenehmigungen für die Modernisierung und Neubauten von Ställen. 
Die Gesellschaft fordert immer mehr Tierwohl, ist aber nicht bereit dafür zu zahlen, berichtet Connemann. Daher müsste die Regierung Wege finden, die Kosten für mehr Tierwohl zu deckeln. Dieses möchte sie allerdings nicht auf dem Rücken der Landwirte austragen. Sie sehe hier auch den Staat ganz klar in der Pflicht. 400 Millionen Euro sollten Ihrer Meinung nach direkt für Zwecke des Tierwohls zur Verfügung stehen. Jedoch betonte sie, dass Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht stünde. „Nur wenn ein Landwirt selbst von einer verbesserten Tierhaltung überzeugt ist, kann die komplette Branche auch davon profitieren“, so Connemann im Gespräch weiter.            
Abschließend versicherte Connemann Ihre Gesprächsbereitschaft mit den hiesigen Landwirten.