16. Mai 2018

Herdenschutz vor dem Wolf

Meppen. Landwirte informieren sich über den Herdenschutz. Eingeladen hatte die Vereinigung des Emsländischen Landvolkes e.V. (VEL) am Montagabend zu einem Themenabend rund um den Wolf und dem Herdenschutz.  

„Mit dieser Informationsveranstaltung möchten wir unsere Landwirte der Region vorbereiten. Wir möchten, dass sie bei einem Nutztierriss wissen, was zu tun ist und mit wem Sie Kontakt aufnehmen müssen“, so Lambert Hurink in seiner Begrüßung der rund 50 Gäste. Auch der Schutz der Tiere stand an diesem Abend im Fokus. Andreas Truckenbrodt vom Wolfsbüro Niedersachsen, das betrieben wird vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), referierte zu den Herdenschutzzäunen. Welche Richtlinien gibt es und was wird gefördert? Herr Truckenbrodt verdeutlichte, dass für Schafe, Ziegen und Gatterwild strengere Vorgaben gelten beim Herdenschutz: Bis zum 7. Juni 2018 müssten die Halter dieser Tiere einen Herdenschutzzaun errichtet haben, damit bei einem Nutztierriss Entschädigungen durch die NLWKN gezahlt werden könnten. Rinder- und Pferdehalter bekämen einen Nutztierriss entschädigt- auch ohne wolfsabweisenden Grundschutz. Jedoch können Rinder- und Pferdehalter die Kosten eines „Wolfszaunes“ erst zur Förderung beantragen, wenn ein Nutztierriss in ihrer Herde geschehen ist. Dies sorgte bei den vielen Rinderhaltern, die bei der Veranstaltung anwesend waren, für viel Empörung. Ein wolfsabweisender Grundschutz kann aus Netzen und Litzen sowie einem Knotengeflecht bestehen. Das Material ist entscheidend für die Vorgaben beim Aufbau des Herdenschutzzaunes. Mindestens 90 cm hoch muss der Zaun bei Netzen und Litzen sein. Hierbei ist Besonders wichtig, dass die unterste Litze maximal nur 20 cm über dem Boden angebracht werden darf. Auch diese Vorgabe weckte bei den Landwirten Unverständnis. „Dann müssen wir ja fast jede Woche das Gras am Zaun mähen, damit die unterste Litze frei bleibt und mit Spannung versorgt werden kann. Wer bezahlt mir den Aufwand?“, warf ein Rinderhalter ein. Und hier folgt das nächste Problem: Die Tierhalter können einen Antrag auf Bezuschussung des Zaunes bei der NLWKN stellen. Gefördert werden zurzeit lediglich 80 % der Materialkosten, jedoch keine Arbeitskosten, die beim Aufstellen der Zäune anfallen. Außerdem werden keine Kosten gefördert, die mit der Instandhaltung bzw. Kontrolle der Zäune entstehen. Es sei im Gespräch, dass diese Regelungen rund um die Förderung zeitnah noch einmal angepasst werden sollten, so Truckenbrodt weiter. Auch bei einem Nutztierriss gibt es eine Maximalförderungssumme von 5.000 € pro Tier für die Tierarzt- und sonstige Kosten. Wenn nun einem Pferdehalter ein besonders hochpreisiges Tier durch den Wolf zu Schaden gekommen ist, werde auch nur max. 5.000 € bezuschusst. Den Rest müsse der Tierhalter selber tragen.            
Hermann Fehnker, einer der fünf Wolfsberater im Landkreis E
msland, stellte zum einen die Arbeit eines Wolfsberaters kurz dar und auch das Tier Wolf. Als Wolfsberater ist er der erste Ansprechpartner, wenn ein Wolf ein Nutztier oder ein Wildtier gerissen hat. Im Jahr 2016 gab es in Niedersachsen 10 von bundesweiten 60 Wolfsrudeln, sowie 4 von 13 Paaren und 2 von 3 Einzeltieren. 255 Nutztierrisse wurden im Jahr 2016 nachweislich vom Wolf begangen, wobei Schafe hauptsächlich betroffen waren. „Die Bevölkerung hat Angst; die Jäger sehen in dem Wolf eine Konkurrenz und die Landwirte sehen ihre Existenz bedroht. Die Sicherheit des Menschen hat auch weiterhin oberste Priorität. Auch möchten wir uns mit den Schutz-Maßnahmen einsetzen für die Weidetierhaltung.“, sagte Fehnker abschließend.           
Es folgte eine hitzige Diskussionsrunde, in der die Landwirte Fragen stellen konnten. Angesprochen wurde hier das Vorkommen der Nutrias, die die Standfestigkeit von Herdenschutzzäunen in der Nähe von Gewässern in Frage stellten. Auch das Umgehen mit dem Trauma der Tiere nach einem Wolfsangriff müsste in der Politik noch weiter behandelt werden. Landwirt Wilhelm Schütte aus Börger hatte im November 2017 durch den Wolf gerissene Schafe auf seiner Weide. Zu dem Zeitpunkt war ein Teil der Herde bereits verkauft und angezahlt gewesen. Die traumatisierten Tiere, die bei jedem Umweiden ängstlich reagierten, wollte der Käufer so jedoch nicht mehr abnehmen. Diese Kosten sind Herrn Schütte nicht erstattet worden. „Ich hatte ordnungsgemäß die wolfsabweisenden Zäune errichtet, aber der Wolf ist über den 90 cm hohen Zaun gesprungen“, berichtete der Schäfer. Das Thema Wolf wird gleichzeitig auch zur Schwierigkeit in den Schäfereien Nachwuchs zu finden. „Mein Sohn wird auch Landwirt. Eigentlich wollte er unsere Schäferei übernehmen, aber wir suchen etwas anderes für ihn und fahren unsere Schäferei zurück“, schilderte Schütte seine Situation. Die anwesenden Landwirte appellierten an die Politik praxisorientierte Lösungen für die Landwirtschaft zum Thema Wolf zu finden und schnellstmöglich zu etablieren, bevor die Weidehaltung komplett aufgegeben wird.